Kommentare zum Hüttentest

Glungezerhütte – Stellungnahme, 25. 8. 2013

Sehr geehrte Frau Esther,

es tut uns leid, dass unser Hüttenangebot nicht deinen Vorstellungen entsprochen hat. Selbstverständlich freuen wir uns über jede konstruktive Kritik und über jede Anregung. Obwohl jede Kritik eine zuviel ist, können wir sie nicht ausschließen. Vielleicht hast du mit deinen Zeilen die eine oder andere Anregung geliefert. Was wir nicht fair finden, dass du deine Reklamation sofort ins Netz stellst, ohne eine Stellungnahme abzuwarten.

Durch unsere exponierte Lage haben wir nur ein eingeschränktes Angebot an Dienstleistungen und da passiert es, dass nicht alles nach Wunsch oder nach Plan abläuft.  Das Zeitfenster ist im Sommer sehr klein. Aus diesem Grund müssen wir versuchen, eine möglichst wirtschaftliche Wertschöpfung zu erreichen und sind auf jeden Erlöscent angewiesen, um zu überleben. Wir hoffen auf mehr Verständnis, wenn du diese Zeilen gelesen hast.
Wir sind der Meinung, dass wir unsere Leistungen zu einem fairen Preis-Leistungsverhältnis in der bestmöglichen und vertretbaren Qualität anbieten. Wir verwenden keine Nahrungsmittel aus der Dose oder z. B. wie auf vielen Hütten durchaus üblich, Suppen aus Pulver hergestellt. Wir backen 2 x am Tag frisches Brot usw. Durch die Lage auf 2600 m entstehen sehr hohe Fixkosten durch Belieferung und dem Bereitstellen von diversen Dienstleistungen z. B. Beheizen der Hütte etc.

Ein Beispiel: das Wasser wird über eine Leitung 600 (!) Höhenmeter sehr kostenintensiv und aufwendig auf den Berg gepumpt. Somit ist der Preis für das Trinkwasser - in Quellwasserqualität -angemessen, kommen zu den Beschaffungskosten noch zusätzliche Kosten in Form von Strom (das Wasser muss auf Plustemperatur gehalten werden) und natürlich auch die Entsorgung des Abwassers auf den Pächter zu.

Der erwähnte Hubschrauberlandeplatz dient übrigens als Stützpunkt bei Bergunfällen und nicht als von dir angenommener Landeplatz für Lebensmitteltransporte. Wäre es so, so hätten wir Preise auf Schweizer Niveau. Eine Materialbahn bedient die Hütte ab 2300 m. Bis dahin werden die Lebensmittel auf einer 24 km langen Bergstraße in kleinen Einheiten geliefert. Insgesamt werden die Lebensmittel 7 x umgeladen bis sie schlussendlich im Lager landen. Die Kosten erhöhen sich dadurch um fast 20 %. Diesen Herbst erfordert z. B. eine behördliche Vorschrift die Erstellung neuer Kühl- und Lagerräume, die mehr als 15.000 Euro kosten.

Doch der Reihe nach. Die Zelte (etwas ungewohnt) direkt bei der Hütte dienen dazu, unseren Gästen eine bergsteigergerechte Alternative zum sehr ungemütlichen und nicht gerade hygienischen Übernachten auf dem Boden unseres Gastraumes oder am Gang zu bieten, wenn die Hütte ausgebucht ist. Die Zelte sind nicht als Notlager konzipiert und verursachen uns im angebotenen Rahmen Kosten (Ersatz der Zeltgestänge wegen Beschädigung bei Windböen, Reparaturen des Außenzelts etc.), die auf die Benutzer umgelegt werden. Mit hohem monetären Einsatz wurden solide Zelte gekauft, in der Annahme, dem Besucher eine erholsame Unterkunftsmöglichkeit zu bieten, die auch von vielen geschätzt und angenommen wird. Gäste, die auf dem Boden in der Hütte schlafen, kommen erst gegen Mitternacht zu ihrer ersehnten Nachtruhe und werden bereits um 5.00 Uhr wieder geweckt, wie du selber erfahren hast.

In deinem Fall bezahlst du im Notschlafplatz 0 Euro, vorausgesetzt alle anderen Plätze sind belegt, die es aber nicht waren. Also insofern kam der richtige Übernachtungstarif zur Anwendung, weil ja für die Zelte pro Schlafplatz inklusive Schlafunterlage (ohne Schlafsack) 12 Euro verrechnet wurden.

Die Expeditionszelte werden ausschließlich von uns aufgebaut (bei Starkwind auch wieder abgebaut und das manchmal 2 – 3 mal in der Woche) und sauber gehalten. Sie sind Teil des Schlafangebots wie z. B. Schlafplätze im Lager, nur kostenintensiver. Erst wenn alle Schlafplätze belegt sind, auch die in den Zelten, werden dem Besucher Notschlafplätze im Gang oder in der Stube zugewiesen und nur dann. Da der Schankbereich mit dem gesamten Barbereich nicht absperrbar ist, werden diese Plätze nur vergeben, wenn wirklich alle Schlafmöglichkeiten ausgeschöpft sind. Ihr wurdet klar über den von der Sektion Hall festgelegten Übernachtungspreis von 12 Euro in den Zelten informiert. Ich kann euch als Hüttenwirt keine Notschlafplätze zuweisen, wenn noch andere Schlafmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Macht auch wenig Sinn und stößt auf Unverständnis. So sind nun einmal die Statuten. Ich empfehle euch auf den Hütten anzurufen und zu reservieren, speziell in kleinen Hütten, weil diese während der Hochsaison rasch hoffnungslos überbucht sind.

Wir erhalten von unseren Besuchern für unsere Hüttenleistungen regelmäßig ein hervorragendes Feedback und sind mit Herzblut täglich oft mehr als 18 Stunden im Einsatz. Die MitarbeiterInnen gehen sehr häufig an oder über ihre Grenzen und dann, durchaus menschlich, liegen die Nerven halt blank. Was keine Entschuldigung ist und nicht passieren darf, aber vielleicht bei dir auf Verständnis stößt.

Zur Selbstversorgung: Ein Selbstversorgerbeitrag wird fällig, wenn sich der Besucher selbst verpflegt. Als Hüttenwirt verdiene ich mein Einkommen für mich und meine Familie ausschließlich durch die Konsumation, die meine Gäste in der Hütte tätigen. Es ist für mich ein durchaus legitimes Vorgehen, ein Essen in Form einer Bergsteigerverpflegung oder unsere beliebte Halbpension anzubieten, weil nur diese Konsumation inkl. der Getränke ein Überleben sicherstellt. Dass es dann zu Inklusivleistungen kommt, die in Form eines Package angeboten werden ist absolut üblich. So auch dein reklamierten Begrüßungsschnaps. Den übrigens alle Hüttenbesucher bekommen. Dir ein Frühstück aufzuzwingen, war nicht Absicht, sondern Teil eines ganz normalen Verkaufgesprächs, wie es millionenfach in der Wirtschaft abläuft. Andererseits habe ich durchaus für ein schmales Budget Verständnis. So habe ich jungen Bergsteigern diesen Sommer öfters auch ein Essen geschenkt, auf ein Frühstück eingeladen und ihre Wasserreserven gratis auffüllen lassen, weil sie es sich einfach nicht leisten konnten, sich in unserer Hütte zu verpflegen. Kein Verständnis habe ich jedoch, wenn jemand mit einem minimalen Tagesbudget (manchmal weniger als 10 Euro) alle Einrichtungen einer Hütte unentgeltlich nützen will und so die ohnehin schon strapazierten Finanzpläne von kleinen Sektionen noch mehr in Anspruch nimmt.

Aus diesem Grund wurde für Selbstverpfleger dieses Jahr ein Kostenbeitrag von 5 Euro pro Nacht vom Alpenverein eingeführt. Allein die Wasserkosten belaufen sich auf unserer Hütte auf 5 Euro pro Liter, wenn man die Kosten für die Erstellung der Quellfassung, die Installation des Pumpsystems mit der Spezialleitung, die diversen Begleitheizungen, den Bau der 100.000 Liter fassenden Zisterne bei unserer Hütte inklusive der Abwasserentsorgung über einen Kanal bis ins Tal miteinberechnet. Dass eine WC-Spülung sich mit 5 € in der Kalkulation findet, sei nur nebenbei erwähnt.

Zur deiner Information: Die Übernachtungskosten im Lager bzw. im Zelt werden an die betreibende AV-Sektion abgeführt. In der Regel wird ein Betrag von 10 – 20 % je nach Hüttengröße, Lage und Sektion auch weniger, als Kostenersatz an den Hüttenwirt zurückerstattet.

Mit dem verbleibenden Betrag für eine Übernachtung (von zB. 9 Euro wären es beim Höchstsatz 1.80 Euro) werden folgende Fixkosten abgedeckt:

Personalkosten für die Reinigung des Lagers (bei voller Belegung ca. 2 Stunden) = 1.--€ pro Gast.

Reinigung der Toiletten und Nebenräume wie Stiegenhaus, Gang etc.

Müllentsorgung ins Tal

Wasser- und Abwassergebühr

Wasserverbrauch beim Waschen, Papierhandtücher

Toilettenpapier, Handseife und Wasser Toilettenspülung

Stromkosten

Kosten für Heizmaterial (auf 2.610 m muss auch im Sommer geheizt werden). Für den Kachelofen werden pro Tag je nach Temperatur bis 50 kg Holz aufgewendet, dh. ca. 18 € pro Tag. Dieses Holz wird vom Tal bis zu Hütte transportiert.

 

In deinem Fall bezahlst du im Notschlafplatz 0 Euro, vorausgesetzt alle anderen Plätze sind belegt. Der einzige Bereich, in dem der Wirt einen adäquaten Umsatz generieren kann, ist beim Getränke- und Essenumsatz. Bei 30 Schlafplätzen eine wirtschaftliche Gratwanderung ohne Sicherungsseil. Ich weiß, wovon ich rede.

Unser Essensangebot:

Bergsteigeressen für 8 € wird täglich angeboten

Besteht aus einem sättigenden Tellergericht das von Spaghetti hin bis zu einem Tiroler Gröstl reicht (inklusive Brot)

Halbpension (99 % unserer Gäste nehmen diese Dienstleistung in Anspruch und sind begeistert und deswegen empfehlen oder verkaufen wir sie auch gerne)

Die Halbpension für 27 € besteht aus einer Suppe wie z. B.

Knoblauchsuppe mit Schwarzbrotcroutons und Schlagrahmhaube

G´selchtes mit Speckkraut und gratinierten Kartoffeln und Basilikumöl

Dessertvariation mit Apfelstrudel, Sacherwürfel, Caramelcreme, rote Waldbeeren und Vanillesauce

Das Frühstück (in der Halbpension enthalten) besteht aus

Früchtemüsliflocken

Vanilleyoghurt

Backpflaumen

Haselnüsse

Walnüsse

Cornflakes

Obstschüssel mit Äpfeln und Trauben (saisonal)

1 Frisch gebackenes Croissant, Kornspitz und hausgemachtes Nussbrot

Käse/Speck/Wurst

Orangensaft

Frisches Quellwasser

Verschiedene Marmeladen

Butter, soviel wie benötigt

1 weichgekochtes Ei

Heißgetränke - so viel wie gewünscht – ohne Aufpreis

Marschtee und Quellwasser - soviel wie gewünscht

Nicht enthalten ist im Preis von 27 € ein Lunchpaket. Es ist in diesem Leistungskatalog einfach nicht mehr unterzubringen.

Teewasser stellen wir für Alpenvereinsmitglieder selbstverständlich ohne Murren zur Verfügung (3 € inklusive Zucker und 2 Tassen), weil wir auch Verständnis für ein schmales Budget haben.

Zahlreiche Rückmeldungen bestätigen, dass wir mit unserem Verpflegungsangebot auf dem richtigen Weg sind und diesen auch konsequent in dieser Form beibehalten. Wenn es eine plausible Erklärung für eine „Routenvariante“ gibt, haben wir immer ein offenes Ohr, soweit es zu einer Verbesserung unserer Leistungen für den Bergsteiger und zur Verbesserung des betriebswirtschaftlichen Ergebnisses für die Sektion und für den Wirt führt. Wir sind Pächter mit Herz, Verstand und Leidenschaft. Wir wünschen uns manchmal, dass der Alpinist Leistungen, die sehr oft unter erschwerten Bedingungen erbracht werden, nicht als selbstverständlich hingenommen werden. Eine Hütte auf 2.600 Metern Höhe ist im Sommer wie im Winter den Wetterkapriolen und der daraus resultierenden schwankenden Gästefrequenz ausgesetzt. Mit großer Mühe und einem hohen Aufwand an Kosten müssen Wasser, Gas, Holz und alle Lebensmittel zur Hütte gebracht werden. Die Hütte wird auch im Sommer täglich geheizt. Vorgestern hatten wir am Morgen -3 ° gemessen.

Unser Tag beginnt am Morgen um 5.00 Uhr, manchmal auch früher und endet in der Hochsaison oft nach 23.00 Uhr, an sieben Tagen in der Woche. Es ist immer ein schwieriges Unterfangen wirtschaftlich und zugleich gästebezogen zu agieren. Wir haben uns für einen nicht immer einfachen Weg entschieden und „begehen“ diesen auch mit dem Risiko, dass wir nicht immer auf 100 % Verständnis stoßen.

Sehr geehrte Frau Wittmann, liebe Esther, wir würden es sehr schätzen, wenn wir dich trotz der für dich enttäuschenden Erfahrungen wieder auf unserer Hütte begrüßen und bald zu den zufriedenen Besuchern zählen dürfen. Manchmal ist es eine Verkettung von Missverständen (Sprachprobleme, Vorurteile, Stress beim Gast und Crew etc.), die sich dann zu einem Disput hochschaukeln, der eigentlich auf dem Berg keinen Platz haben sollte.

Ein Vorschlag: Komm einfach mit deiner Begleitung vorbei. Von München ist es ja nicht so weit. Ihr seid meine Gäste für eine Übernachtung mit Halbpension, nicht im Zelt, nicht im Lager, sondern in einem unserer gemütlichen Zimmer. Bitte vorreservieren, damit es keine Überraschungen gibt. Und danke für dein Verstehen meiner Zeilen. Gerne überweisen wir die entstandenen Übernachtungskosten als kleine Geste der Wiedergutmachung. 

Herzliche Grüße vom Berg sendet

Gottfried
mit seiner internationalen Crew aus Nepal, Slowenien, Frankreich und der Slowakei.