Europa-Wahl. Nachtrag und Betrachtung

2019 feiert der Alpenverein Hall sein 135. Bestandsjubiläum. Vor einigen Wochen waren wir zu Europa-Wahl geladen. Vor genau 75 Jahren beging die Sektion Hall 1944, mitten in den Kriegsjahren des Zweiten Weltkriegs, ihren 60-jährigen Bestand. 

 

Die 60. Hauptversammlung des „Zweiges Hall in Tirol des Deutschen Alpenvereins“ (den Österreichischen Alpenverein gab es nichg mehr) fand am 25. April 1944 im Speckbacher-Zimmer des Gasthofs Bären am Unteren Stadtplatz statt. 27 von über 500 Mitgliedern hatten sich dazu eingefunden.

Heute bilden alpine Unternehmungen und Berichte von Bergabenteuern auf allen Kontinenten die Haupttätigkeit des Alpenvereins und einen Schwerpunkt bei Versammlungen und in Publikationen.

In den Kriegsjahren klang es anders: In den Berichten zur Hauptversammlung stand das Gedenken an die zahlreichen gefallenen, vermissten, verwundeten und eingeschlossenen Mitglieder im Mittelpunkt, wie z.B.:

Herbert Halhammer (20), gefallen in Noworosyk, Russland

Roman Verant, 17, gefallen an der Westfront (heute EU)

Günther Hohenauer (19), gefallen am Ätna, Sizilien (heute EU)

Hans Hollaus, eingeschlossen in Dünkirchen, F, (heute EU) 

Fritz Anker, verwundet in Norwegen

Felix Schwitzer, gefallen bei Witebsk, Weißrussland

Ludwig Haider (20), gefallen im Osten.

Von den Jungmannen sind bisher 21 gefallen, fünf werden vermisst. Ferner gibt es viele Leicht- und Schwerverwundete, berichten Vorsitzender Theodor Pichler und Jungmannschaftsleiter Vinzenz Tollinger. Die Tätigkeit des Zweigs, der Jugendmannschaft und der anderen Gruppen würde immer „geringer“. Der Winter-Streifendienst der Bergwacht am Glungezer sei trotz Unterstützung der Jungmannschaft nur noch schwer aufrecht zu erhalten. Die Diensteinteilung der Rettungsmänner funktioniere nicht mehr. Die Jugend beschränke sich auf Mädchen, alle 75 Jungmannen seien bereits eingerückt. Die alpine Tätigkeit ist fast zum Erliegen gekommen. Trotz der schwierigen Zeit war die Zahl der Mitglieder von 486 im Jahr 1943 auf 517 bis zur Hauptversammlung angestiegen.

Die 60. Hauptversammlung zeichnete Oberst Friedrich Nürnberger, Ehrenmitglied, mit dem 40-jährigen Ehrenzeichen aus, Ehrenmitglied und Lizumer Hüttenwart August Riepenhausen erhielt das Goldene Ehrenzeichen.

Im 5. Kriegsjahr war es dem Zweig Hall nicht mehr möglich, die Vereinsführung neu zu wählen. Schon 1942 wurde der bewährte Ausschuss für die Zeit der Kriegsdauer mit der Weiterführung der Ämter betraut, vorerst für ein Jahr, 1943 auf unbestimmte Zeit verlängert. 

In den Beiratssitzungen der Jahre 1942 bis 45 wurde der Gefallenen, Verwundeten und Vermissten gedacht, aber auch aller Mitglieder, die als Soldaten in den Kriegsgebieten im Einsatz standen.

Die erste ordentliche Neuwahl der Zweigvereinsführung konnte erst am 16. Juni 1945 durchgeführt werden. Obmann war Theodor Pichler, im Herbst 1945 wurde auf Beschluss der Hauptvereinsleitung der Beirat umgebildet, zum 1. Vorstand wurde Franz Handle gewählt.

Einfach zum Nachdenken.

Gerald Aichner