Ein ganz und gar nicht fader Berg

Bei Lawinenwarnstufe 3 und sogar 4 sind sichere Touren gefragt. Sonnenspitze und Glungezer in den Tuxer Alpen gehören in diese Kategorie und sind alles andere als eine reine Pistenhatscherei.


Von Irene Rapp 

Tulfes.- Am Glungezer (2678 m) oberhalb von Tulfes haben schon einige Generationen das Skifahren gelernt. In den letzten Jahren sind die Skitourengeher auf diesen Berg gekommen und der wartet nicht nur mit fader Pistenhatscherei, sondern einigen Besonderheiten auf. Zum einen mit vielen Gasthäusern bzw. Hütten entlang der Strecke, die einen Besuch wert sind. Etwa mit der Glungezerhütte (2610 m), die so gemütlich ist, dass man sie nicht mehr verlassen will.

 

Zum anderen mit einem neuen Gipfelkreuz am Schartenkogel (2308 m) neben dem Glungezer, ebenfalls ein schönes Ziel. Und auch während des Aufstiegs wird es nie langweilig: So ergeben sich immer wieder tolle Ausblicke auf das Inntal, später in die südliche Bergwelt. Das ein oder andere Schild bzw. Taferl neben der Strecke ist ebenfalls erwähnenswert. Der Haken an der Sache: die Parkplatzsituation. Nur wer früh dran ist, kann mit dem Auto am Tulferberg parken (Infobox). Wer entlang der Strecke stehen bleibt, wird jedoch abgestraft. Wer es nicht geschafft hat, früh aufzustehen, sollte daher vor allem am Wochenende sein Auto an der Talstation der Glungezerbahn stehen lassen und bei den momentanen Verhältnissen mit dem Lift bis zur Mittelstation fahren.

 

Bei mehr Schnee kann man auch von der Mittelstation aus starten und bei noch mehr weißer Pracht ist der Aufstieg von der Karlskirche in Volders aus möglich: Nicht umsonst gilt dann die Skitour auf den Glungezer als längste Tirols.

 

So kommt man hin: In Tulfes zur Glungezerbahn fahren, dann links von der Bahn hinauf nach Windegg und weiter bis zu den Parkplätzen der Gasthäuser. Von hier aus sind wir auch am vergangenen Sonntag gestartet, bei Traumwetter, allerdings Lawinenwarnstufe 3 bzw. 4 in weiten Teilen Tirols. Kein Wunder also, dass im Laufe des Tages Heerscharen an Tourengehern diesen Klassiker angegangen sind.

 

Zunächst also geht es der Piste entlang hinauf bis zur Mittelstation und dem Gasthaus Halsmarter. Skitourengeher bleiben am besten immer links der Piste, diese ist Gott sei Dank breit genug, Abfahrer und Bergaufsteiger sollten sich also nie in die Quere kommen. Einige steile Passagen verlangen nach guter Technik, vorbei geht es an zwei Starterhäuschen und einem historischen Schild, das hinweist, dass an diesem Punkt 1955 der Herrenstart der Tiroler Alpinen Skimeisterschaft war. Und noch etwas gehört erwähnt: viel Sonne darf man andiesem nordseitig ausgerichteten Aufstieg nicht erwarten. Am Ende des Schlepplifts gelangt man links in den oberen Teil des Skigebietes und nun kann man entscheiden, wohin es gehen soll: entweder links zum Schartenkogel mit dem relativ neuen Gipfelkreuz oder rechts zum Glungezer?

 

Am vergangenen Sonntag wurde die Sonnenspitze bzw. der Glungezer angepeilt. Dazu am Ende des Sesselliftes auf den Schartenkogel von der Piste neben der sogenannten Schaferhütte rechts ins Gelände abzweigen. Entlang einer durchgängigen Stangen-Markierung weiter, bis man das Gipfelkreuz, aufgestellt von treuen Glungezer-Gehern, den Glungezer-Füchsen, der Sonnenspitze sieht. In einigen

Spitzkehren geht es auf die 2639-Meter-Erhebung, einen Steinwurf entfernt ist die Glungezerhütte.

 

Dort ist heuer bereits das fünfte Jahr Gottfried Wieser aus Telfes als Hüttenwirt im Einsatz. Früher war der 63-Jährige international in der Gastronomie tätig, jetzt verwöhnt er auf 2678 Metern seine Gäste. Mit wahren Gaumenfreuden, etwa Kathmandu-Nudeln oder der Dalsuppe zwei Rezepte, die er mit zwei bei ihm arbeitenden Sherpas entwickelt hat. Aber  natürlich gibt es auch vegetarische und sogar vegane Kost.


Am Sonntag war die Abfahrt von der Hütte bis zur Piste übrigens ein Genuss, auf den Pisten bis zur Mittelstation ebenso. Dann wurde es ein wenig eisig, aber angesichts der momentanen Schneesituation haben die Bahnmitarbeiter gute Arbeit geleistet.

 

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Copyright 09.01.2015 Tiroler Tageszeitung Seite 26