Skitouren: Emotion und Faszination

Grundsätzliche Grußworte des ÖAV zum 2. Austria Skitouren-Festival in Lienz von Gerald Aichner
Im Landesverband Tirol stehen an die 100.000 Mitglieder hinter und zu diesem Alpenverein. 
Alpenverein ist eine Bewegung, er bewegt Menschen und Entwicklungen, er ist seit 150 Jahren in Bewegung, sprich aktiv. Er motiviert zu eigener Bewegung, sich in freier Bergnatur zu bewegen.

 

Damit bin ich in der Ski-Tour gelandet. Schon vor einem Jahr hab ich viel von ihrer Faszination und Emotion gesprochen. Tour heißt so viel wie Ausflug, Runde, Strecke. Meine Tour führt vom Alpenverein über Natur hin zum Tourismus.

 

Den Alpenverein versuchen Gegner und Politiker gern als Verhinderer abzustempeln. Das erscheint mir billig, naiv, leicht durchschaubar und endet meist als Bumerang. Es wird wohl niemand ernsthaft selber glauben oder glaubhaft machen wollen, dass sich seit über 150 Jahren selbstbestimmte Menschen zum Alpenverein, seinen Idealen und Zielen bekennen, weil sie gegen etwas sind. 

 

Mit Jahresende werden  es in Österreich an die 500.000 sein, die diese Bewegung mittragen. Gemeinsam mit dem DAV und AVS sind es 1,6 Mio Menschen, die sich für etwas einsetzen, zB als Naturliebhaber, als Hüter und Bewahrer, Erhalter der alpinen Infrastruktur.

 

Ziele der Alpenvereine sind  seit je das Erleben und Erfahren von Natur, von Bergen und alpiner Landschaft, zu  allen Jahreszeiten, von bergsportlichen Aktivitäten. Schon vor 100 Jahren hat der Alpenverein nach dem Hütten-Bauboom der ersten Jahrzehnte für sich Schluss gesagt zu seiner eigenen Erschließungstätigkeit mit Hütten. Das hält bis heute .

 

Peter Habeler hat es beim 125-Jahr-Jubiläum der Tirol Werbung vor einigen Wochen in Erl klar ausgedrückt: Zitat: "Die alpinen Vereine sind unverzichtbar und heute wichtiger denn je!" - Wie übrigens auch alle anderen 12 Experten am Podium, von Eva Lind bis Andreas Ermacora, von Stephan Eberharter bis Tobias Moretti, gemeint haben: "Tirol braucht seine Landschaften, seine Natur, seine Bergwelt und kann nur in und mit ihnen authentisch sein."

 

Tobias Moretti hat den rücksichts- und grenzenlosen Erschließern im Land mit  seinem Satz "Wann ist genug - genug? Wann isch oans weniger wie koans?"  gleichsam den Fehdehandschuh zugworfen. Und wurde für seine deutliche Ansage von der gesamten, touristischen wie anderen Prominenz des Landes, stürmisch applaudiert.

 

"Eins zu Null für die Natur".

Dem Ergebnis dieser Podiumsdiskussion "125 a Tirol Werbung" habe ich in meinem Alpenvereins-Blog die Überschrift verliehen "Eins zu Null für die Natur". Warum?

Tirol war, ist und bleibt das Land im Gebirge, es lebt - und wir alle leben letztlich von seiner Natur- und  Kulturlandschaft, seiner unvergleichlichen alpinen Landschaft mit aller Flora und Fauna, seien es die Lienzer Dolomiten oder die Nordtiroler Dolomiten, wie die Kalkkögel gerne genannt werden.

Tirol ist in ihr einzigartig und authentisch. Die Natur Tirols ist die wahre Marke. Sie, die Natur und Naturlandschaft ist nicht vermehrbar, sie wächst nicht nach, wenn sie zerstört ist. Mit jedem Grad ihrer Übererschließung und Zerstörung sinkt zugleich ihr Markt- und Markenwert, ihre Faszination und unsere Identität. 

 

Damit biege ich wieder ein in die Emotion Skitour.

Sie ist ein touristischer Wirtschaftsfaktor geworden. Wenn ich mir bei der letztenAlpinmesse in Innsbruck aus 1000 Skiern und Anoraks das richtige auswählen kann und soll, oder Ausrüstung von gleich einmal jenseits der 2000 Euro,

wenn gleichzeitig ist die Zahl der Tourengeher in Österreich auf etwa mindestens 700.000 angewachsen ist, im Großraum Innsbruck/Innsbruck-Land auf 100.000 geschätzt wird, und dies zunehmend mehr Junge und mehr Frauen diesen Sport in all seinen Varianten ausüben,

dann ist schnell klar, hier ist ein großer Markt für Wirtschaft, Handel, Service und Tourismus entstanden und steil im Wachsen.

 

Ein altes, neu erstarktes Segment erlebt großen Zulauf, mit neuen Chancen, die dieses Osttiroler Skitouren- Festival ansprechen und nützen will, mit dem Maß, das die Natur bietet und verträgt;

Mit neuen Herausforderungen an Tourismus und Politik, aber auch an die alpinen Vereine, vor der Rettung da zu sein, die große Schar der Tourengeher sicher durch die Berge zu begleiten.

 

Meine weiße Spur
Worin liegt nun die Motivation für diese Entwicklung, die längst kein Boom mehr ist, sondern ein stetig steigender Trend: Die Motivation liegt im  Erlebnis der eigenen Bewegung, im sportlichen Anreiz und der Fitness-Schiene, die körperliche Lust am Gehen und Bewegen, am Steigen und Fahren, zu spüren, zu erfahren - im wahren Sinn des Wortes.

 

Und da ist das Urerlebnis von Natur und Witterung, ohne künstliche Welten und sog. hot spots,

das bewusste Abrücken vom Alltag, Motor und Stress, die quasi Flucht aus dem Tal auf den Berg,

das Entrücktsein von Zwängen und Getriebensein, von Hektik, Unrast und Unlust, hinauf auf den Berg ins stille Hochtal, wo andere Naturgesetze herrschen und den Ton angeben;

Da verheißt sowohl das für sich allein sein und dadurch mit sich eins sein, wie das Erleben von Gemeinschaft mit Freunden, Familie, auf Tour, in der Hütte, auf Abfahrten, wunderbare Glücksgefühle, anhaltende Befriedigung und Erfüllung.

 

Mein Versuch, das Phänomen Skitour zu hinterfragen und zu deuten, scheitert spätestens dann, wenn ich mir die 2 Bretteln anschnalle und meine weiße Spur suche."

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