Kein Gratis-Hospiz

Am Freitag 18. Juli 2014 auf der Glungezerhütte die neu errichtete Schlafhütte „TuXer“  mit den neuen Lagern „Glungezer“ und „Sonnspitz“ in Augenschein genommen und freigegeben. Am Samstag am „Geier“, über die Geierscharte (tadellos zu begehen, man kommt sehr gut zwischen den Altschneefeldern zum Gipfel), und ebenso gut weiter zum Tuxerjochhaus und über die Friesenbergscharte zum Friesenberghaus, zur Olpererhütte und zum Pfitscherjochhaus.

 

Jetzt sind alle Wegweiser und Wegetafeln ausgeapert, manche durch den Schneedruck, durch Lawinen vom Winter her beschädigt, verschoben, aus der Bodenverankerung gerissen oder geknickt; alle müssen wieder mühsam instandgesetzt, nachgefärbelt, neu befestigt, eingegraben oder gestützt werden.

Wer macht all diese Arbeiten? Die freiwilligen und ehrenamtlichen Helfer und Funktionärinnen der Alpenvereinssektionen, - hier im konkreten Fall des Alpenvereins Hall in Tirol -  die auch unsere beiden Hütten, Glungezerhütte und Lizumerhütte, bewarten, mithelfen, immer auf Vordermann bringen und halten und gerade jetzt wieder durch die neue Schlafhütte „TuXer“ eine Erweiterung und Verbesserung der Schlafmöglichkeiten am Glungezer geschaffen haben. Um das zu finanzieren, reichen die normalen Mitgliedsbeiträge des AV bei weitem nicht aus. Zusätzlich müssen unsere Sektionsmitglieder über Spenden, Postkartenaktionen, Veranstaltungen finanzielle Mittel auftreiben und selbst mithelfen.

 

 

Ein Teil der Geldmittel kommt auch über den Hüttennächtigungstarif der Hüttengäste herein, sowie über die Pachterträge. Damit ein Pächter diese Pachtkosten überhaupt erwirtschaften kann, braucht er Einnahmen, die aus „Küche und Keller“ kommen, also aus Frühstück, Mittagessen, Jause, Abendessen, Halbpension, Proviant und Getränken. Das sei hier einfach einmal klar niedergeschrieben für all jene, die das nicht wissen (können) und sich auch keinerlei Gedanken machen, wie die Infrastruktur in den Alpen funktioniert, erhalten und erneuert werden kann. Die öffentlichen Gelder machen nur einen kleinen Teil der Förderung aus, das allermeiste kommt von den Alpenvereinssektionen und den Mitgliedern der hüttenbesitzenden Sektionen – zum Nutzen aller Benützer.

 

In diesem Lichte der Betrachtung sind die sinnlosen, zeitaufwändigen Diskussionen mit den „Selbstversorgern“ nicht nur mühsam, meist erfolglos, sondern häufig auch ärgerlich, wenn oft nur aus Prinzip, Sturheit und Uneinsichtigkeit darauf bestanden wird. Auch wenn es - die noch nie zu Ende diskutierte und novellierte Hüttenordnung und Hüttentarifordnung der Alpenvereine - „erlaubt“, weil sich die Hauptvereine mit diesem Problem nicht wirklich auseinandersetzen woll(t)en und die ganze Problematik einfach an den Letzten – den die Hunde beißen – auslagert, sprich, an den Hüttenwirt.

 

Denkt ein Selbstversorger darüber nach, dass zB eine Reparatur auf einer alpinen Schutzhütte allein durch die meist sehr langen Anfahrtswege und Aufstiegsstunden meist bis zum Doppelten einer Reparatur im Tal kostet? Oder ein einziger Toilettengang bis zu 5 Euro ! kostet?

Wer von München nach Venedig fährt, muss Benzin oder eine Bahnkarte bezahlen. Schwarzfahren kostet noch mehr. Nur Autostopp gibts zum Nulltarif. Wer über die Alpen wandern will, muss einfach mit gewissen Kosten für Schlafen und Essen rechnen. Es erscheint mir absolut unfair und systemwidrig, wenn sich die Leute aus einem Supermarkt im Tal den Essensvorrat für eine Woche eindecken, jedoch für jede weitere selbstverständliche wie komfortable Infrastruktur keinen Obolus entrichten wollen oder gar dem Hüttenwirt noch einen besonderen Satz hinschleudern (wie jüngst passiert): „Wir haben unser eigenes qualitatives hochwertiges regionales Essen selber mitgebracht".

 

Liebe Hüttengäste, das führt die Grundidee ad absurdum. Alpenvereinshütten sind keine Gratis-Hospize, können und werden es auch nicht sein, weil sich keine kleine oder größere Gemeinschaft finden wird, die anderen alles kostenlos zur Verfügung stellt. Das ist Abzocke, Ausnützen anderer, die dafür ihren Beitrag leisten, Schmarotzen zu Lasten anderer, die bezahlen. Ein absolutes „no go!“. Das alles betrifft nicht Kinder, nicht Jugendliche und absolut nicht jene Einzelnen, die schlicht kein Geld haben, denen die Hüttenwirte gerne ein Bergsteigeressen spendieren.

Wenn man dann die Ausrüstung betrachtet, springen einen Smartphone, I-pad, Kameraausrüstung, teure Marken-Oberbekleidung etc. ins Auge.

 

Man kann es drehen und wenden wie man will, bei genauer und fairer Betrachtung ist das überholte Privileg der reinen Selbstversorgung auf Kat.I-Hütten ein no go, das immer zu Lasten anderer ausgeht. Der Einnahmenentfall wird dem Hüttenwirt weder von der Hüttensektion, noch von den eigenen Mitgliedern noch von den Gesamtvereinen ersetzt, wie manche irrtümlich glauben. Und ist auch nicht im eigenen AV-Mitgliedsbeitrag „enthalten“.

Einfach so zur Aufklärung geschrieben, vielleicht auch zum nach-Denken.    

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Kommentare: 2
  • #1

    Stefan (Dienstag, 11 November 2014 14:03)

    Hallo!

    Ich finde den Artikel sehr gut, den Inhalt wichtig und kann den Hüttenwirten und dem Personal an dieser Stelle nur danken. Wir - meine Partnerin und ich - gehen so gern in den Berg und können uns nur zu gut ausmalen, was für einen Aufwand die Wegepflege und der Hüttenbetrieb allgemein darstellt. Und welche Belastung das Bergvolk von heute, mit all seinen Wünschen und Vorstellungen, für die fleißigen Menschen auf den Hütten bedeuten - physisch und psychisch. Dass die Leute nicht nur im Tal immer rücksichtsloser und dümmer werden, sondern auch als Hüttengäste, ist uns klar. Weil wir's ständig sehen. Wir gehen 2015 erstmals auf die Lizumer Hütte und freuen uns - entgegen aller Berichte auf Hüttentest usw. - schon heute auf die Hütte, den Hüttenwirt und sein Team. :)

    Viele Grüße aus Ingolstadt, Bayern
    Stefan Lohner
    stefan.lohner@gmx.de

  • #2

    Christian (Freitag, 05 Juni 2015 17:59)

    ich kann die Kernaussagen nur bestätigen!

    Man kann ohne weiteres noch etwas schärfer argumentieren, denn es gibt bei uns ja keine Leute, die "schlicht kein Geld" haben.

    Ein wenig hat jeder und bei den wirklich fairen Preisen auf den meisten Hütten und im Speziellen der Glungezer-, wo noch dazu eine qualitativ hochwertige Küche zu finden ist, kann sich jeder zumindest eine kleine Hüttenjause leisten.
    Wer für Hütten und deren Service gar kein Geld ausgeben will, der soll sich ganz einfach fern dieser Einrichtungen aufhalten.
    Selbstverkostung ja, aber bitte zu Hause oder dort, wo es sonst nichts gibt. Wer das nicht kapiert, tut mir leid!