Skitour!

Austria Skitouren Festival Lienz

Dez. 2013


Patronanz OeAV

Impulsreferat

 

 

Skitour – das lässt sich nicht mit Worten beschreiben, man muss sie selbst erleben.

Skitour – das weckt sofort wunderbare Bilder im Kopf von Pulverschnee und Sonne, Spuren, rythmisches Gehen & Gleiten, Einklang von Bewegung mit Natur – & vieles mehr.

 

Skitour – das ist kein neuer Trend, sondern die Urform des Skilaufs, ohne Aufstieg keine Abfahrt, ohne die eigene körperliche Anstrengung gäbe es keine Gipfelfreude (nicht „Sieg“) und kein rassiges Abfahrtserlebnis.

 

Als eine der ersten Skitourengeher vor fast 120 Jahren, (im Feber 1895) eine Skitour von Hall über die Lizum im Wattental ins Navistal unternehmen, haben droben am höchsten Joch - Zitat: „einige Schneeschuhläufer aus momentanen Antrieb ihrer Freude durch einen hellen Juchezer Ausdruck verliehen“ ! (Zitat aus dem Alpenfreund, 1895)

 

Wie weit haben wir uns heute davon entfernt? Heute belagern Massen an Tourenläufern  - es gibt kaum noch Touren-„Geher“ – die wenigen Parkplätze an den Hotspots der klassischen Tourengebiete in Nord- und Osttirol, stürmen Kolonnen in Zweier- und Dreierreihen kerzengerade bergan, zuzeln zwischendurch mal kurz an irgendeinem sog. Muntermachergetränk, stoppen die Stoppuhr, ersparen sich dank Funktionskleidung das lästige Umziehen im schneidigen Gipfelwind, schalten die Helmkamera ein und stürzen sich, ohne das Panorama eines Blickes zu würdigen, gleich wieder ebenso cool wie stressig ins Tal.

 

Ich erlebe diese Entwicklung seit Jahrzehnten gleichsam Tag für Tag, heute auch Nacht für Nacht, vor meiner Alpenvereins-Hütte.

Und doch!:  Es muss etwas Besonderes sein, dieses Skitourengehen, sonst würden sich nicht immer mehr dieser „Bewegung“ - im wahren Sinne des Wortes - anschließen,

würden Seilbahnsprecher und Liftbetreiber nicht so beharrlich die Tourengeher zum Feindbild erklären

würden nicht Seilbahner, um auf diesen Trend aufzuspringen, sogar eigene Bahnen für die Tourengeher planen oder bauen – siehe Piz Val Gronda, immer noch in der irrigen Meinung, damit die Tourengeher von ihrer Leidenschaft abhalten oder umleiten zu können.

Weit gefehlt - verkehrt gedacht - das Geheimnis des Tourengehens nicht begreifend, die Motive nicht realisierend.

 

Wer Gehen will, braucht keinen Motor.

Wer Tourengehen will, braucht keinen Lift.

Wer Skitouren erleben will, braucht nur ein Paar Ski, Ausdauer, körperliche Fitness ... und das entsprechende Gelände.

 

Weil das so einfach ist, der Alltag für viele Menschen aber immer beschwerlicher, stressiger, angespannter ist, ziehen immer mehr die Reißleine, um sich selbst gezielt zu verlangsamen - auf Skitour – quasi wie in einem Fitness-Studio im Freien.

 

Viele andere versuchen das Gleiche aus den gleichen Motiven bei Hüttentrekking oder auf Pilgerwegen :

Aus dem Motiv der Entschleunigung, des mehr- zur Ruhe-Kommens

des Erlebens seiner selbst und seines Körpers, das sich als Wohltat für Seele und Geist entpuppt

des Wahrnehmens und hautnahen Erlebens der Natur, von Kälte, Schnee, Sonne, ganz eigenen leisen Geräuschen im Wald, von Einsamkeit wie auch von Gemeinschaft & Geselligkeit,

 

Kurzum: in dieser Palette positiver Empfindungen und Erfahrungen, trotz Anstrengung, wohltuende Beglückung und Befriedigung des eigenen ICHS zu erfahren.

 

Das ist die eine Seite, die auch eine andere bedingt:

 

Mit dieser Sportart direkt verknüpft ist aus Sicht des Alpenvereins auch ein klares Bekenntnis gegen weitere technische Er- und Über-Erschließung unberührter Naturräume  wie Schlick – Lizum oder Sillian – Sexten  - dem wahren Kapital unseres Erfolgsprodukts Tourismus.

 

Wo sich immer mehr Wintersportler in Wald und Gebirge, aber auch auf Pisten und bei Nacht, bewegen, bleiben Konflikte mit anderen Naturnutzern, mit Forst, Jagd, Agrar- und Grundeigentümern, nicht aus. Verbote allein nützen nichts. Hier sind wir alle aufgefordert, auch dafür sensibel zu werden und gemeinsam nach Lösungen zu suchen – der Alpenverein bietet sich dafür als Partner an.

Mit gutem Willen und Einsicht lassen sich solche Konflikte zufriedenstellend lösen. Ich nenne nur als Beispiele Skitourenlenkung im Karwendel, im Wattental, in Obernberg, Valsertal oder im Brixental.

 

Oder der Bereich des Pistentourengehens, - Nachtskitouren inbegriffen - der geradezu boomt und sich noch weiter steigern wird: Hier werden wir individuelle Lösungen für die einzelnen Gebiete suchen und finden müssen, damit wir uns nicht in einem Skitourenkrieg wieder finden.

Generelle Verbote fürs Pistentourengehen sind genauso wenig sinnvoll, wie tageweise Sperren. Zusammensetzen und in Kooperation gemeinsam nach tragbaren Lösungen suchen, muss die Devise für beide Seiten lauten. Der Alpenverein ist dabei!

 

In diesem Sinne wünscht der Alpenverein dem Skitouren Festival nach einem guten Start eine gute Zukunft im Interesse all jener, die diesen Wintersport als aktives Bergerlebnis zu Tausenden ausüben.“

 

Gerald Aichner,

OeAV Landesverband Tirol, 1. Vorsitzender

Dezember 2013

www.alpenveren.at/tirol

Kurt Nairz (Bergrettung Tirol), Peter Habeler, Franz Theurl (TVB Osttirol), Gerald Aichner (Alpenverein) - Foto: Expa/Michael Gruber
Kurt Nairz (Bergrettung Tirol), Peter Habeler, Franz Theurl (TVB Osttirol), Gerald Aichner (Alpenverein) - Foto: Expa/Michael Gruber

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Kommentare: 3
  • #1

    Hannes V (Sonntag, 29 Dezember 2013 14:07)

    gratuliere zum Impulsreferat! Hannes

  • #2

    Martin Roseneder (Sonntag, 29 Dezember 2013)

    Erfolgreicher 1. Tag des Austria Skitourenfestivals
    Gestern Abend wurde das 1. "Austria Skitourenfestival" in der Lienzer Dolomitenhalle feierlich eröffnet. Viele Besucher kamen und lauschten den Ausführungen der Bergsteigerlegende Peter Habeler, von Kurt Nairz (Leiter der Bergrettung Tirol) und Gerald Aichner (Tiroler Alpenvereinspräsident). Ebenso ein Highlight des Abends war die Präsentation der schönsten Skitouren in Osttirol durch Alpintouring.at und die musikalische Großglockner-Reise der Iseltaler Blechbläser unter der Leitung von Martin Gratz.

  • #3

    Osttirol Tourismus (Mittwoch, 15 Januar 2014 13:09)

    Tourismus-Obmann Franz Theurl, Organisator des Skitourenfestivals, war von dieser Rede beeindruckt, wird sie die Homepage des Skitourenfestivals stellen.