Getrübte Harmonie

Gesetze sollten eigentlich klare Verhältnisse schaffen. Manchmal bewirken sie jedoch genau das Gegenteil. Beispielsweise am Truppenübungsplatzes Walchen/Lizum. Durch neue gesetzliche Bestimmungen ist dort die jahrzehntelange Harmonie getrübt.

Der Truppenübungsplatz Walchen/Lizum (Tüpl) im hintersten Wattental ist militärischer Übungsplatz genauso wie Almgebiet im Sommer und das ganze Jahr über Naherholungsgebiet für eine ganze Region. Jahrzehntelang haben sich Bundesheer, Bauern, Wanderer und Skitourengeher das Gebiet harmonisch geteilt. Nachdem vor zwei Jahren der Gesetzgeber die Sicherheitsbestimmungen bezüglich möglicher Blindgänger deutlich verschärft hat, ist es mit der Harmonie vorbei.

Nock, Pfeifer, Geisler, Tüpl Lizum/Walchen

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Es sind viele Kleinigkeiten, die laut Landwirt Michael Nock die Almbewirtschaftung erschweren.

Überbordende Bürokratie erschwert Almbetrieb

Seit zwei Jahren müssten alle am Truppenübungsplatz tätigen Personen - also Almbauern, Almbedienstete, Jäger, Fischer, Hüttenbetreiber, etc. - jährlich ein und dieselbe Belehrung über sich ergehen lassen, obwohl diese Personen seit Jahren mit den Sicherheitsbestimmungen vertraut sind, so Almbauer Michael Nock. Neue Weidezäune könnten nur errichtet werden, wenn zuvor eine Tiefensondierung auf Blindgänger stattgefunden hat und ein Notarzthubschrauber bereit steht. Die Rodung der Almrosen, die die Almflächen zunehmend überwuchern, ist mit schwerem Gerät überhaupt nicht, sondern nur manuell möglich.

 

Nock, Pfeifer, Geisler, Tüpl Lizum/Walchen

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Bürgermeister Johann Geißler weiß, dass das Klima derzeit nicht das beste ist. 

 

Viele Einheimische meiden den Tüpl

Der Truppenübungsplatz darf grundsätzlich zu Fuß auf den vorgeschriebenen Wegen und Pfaden jederzeit begangen werden. Nur bei Scharfschießübungen sind gewisse Teile gesperrt. Für die einheimische Bevölkerung war auch das Befahren des Truppenübungsplatzes ohne große Bürokratie erlaubt. Passierscheine dafür gaben die Gemeinden Wattens und Wattenberg aus.

Diese gibt es mittlerweile nur mehr beim Kommando am Truppenübungsplatz - mit einer offiziellen Bestätigung durch die Gemeinde, nach einer Belehrung und gegen Hinterlegung eines amtlichen Lichtbildausweises. Dies hält viele davon ab, noch in die Lizum zu fahren, weiß der Wattenberger Bürgermeister, Johann Gei?ler. Es werden in der Gemeinde kaum noch Ansuchen um Einfahrgenehmigung gestellt.

  

Kommando ist um Erleichterungen bemüht

Auch die militärisch Verantwortlichen am Truppenübungsplatz sind mit den verschärften Sicherheitsbestimmungen nicht gerade glücklich. Der Verwaltungsaufwand sei deutlich gestiegen, die Kommunikation der neuen Bestimmungen nicht immer leicht, so Oberst Gerhard Pfeifer, stellvertretender Militärkommandant von Tirol.

Man versuche beim Zugang zum Truppenübungsplatz - aber auch, was die Zusammenarbeit mit den Almbauern betrifft, so gut wie möglich zusammenzuarbeiten. In manchen Fragen - wie etwa bei der maschinellen Rodung von Almrosen - seien auch dem Bundesheer die Hände gebunden. Für die manuelle Rodung habe das Bundesheer bestimmte Flächen bereits vorsondiert.

Letztendlich gehe es um Haftungsfragen und auch um die Sicherheit, so Pfeifer. Diesbezüglich bittet auch er um Verständnis für die gesetzlichen Vorgaben, betont aber gleichzeitig, dass der Tüpl für Almbauern, Wanderer und Skitourengeher auch in Zukunft offen sein wird. Die Gefahr von möglichen Blindgängern sei aber durchaus realistisch und die Sicherheitsbestimmungen zum Schutz für die Bevölkerung.

 

Kommunikation soll verbessert werden

Tatsache ist, dass das gegenseitige Vertrauen zwischen allen Beteiligten derzeit nicht gerade das beste ist. Will man zu alter Harmonie zurück, bedarf das wohl erhöhter Diplomatie und offener Kommunikation seitens der Tüpl-Leitung und andererseits auch mehr Verständnis seitens der Almbauern und der Bevölkerung - oder eine Rücknahme jener gesetzlichen Bestimmungen, die eigentlich Auslöser für die getrübte Stimmung im hinteren Wattental sind.

Stefan Lindner; tirol.ORF.at

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Kommentare: 1
  • #1

    Aichner Gerald (Mittwoch, 14 August 2013 18:44)

    ORF Tirol TV Beitrag Tirol heute" zur Problematik Lizum und Sperrgebiet: Leider ist das Hauptproblem, die Schieß- bzw. Sperrzeiten, die Behinderung der Wegefreiheit auf der Via Alpina,rot, Inntaler Höhenweg, Adlerweg, Glungezer&Geier Route, etc., überhaupt nicht angesprochen worden. Das Bundesheer ist in dem Beitrag viel zu wenig direkt konfrontiert worden mit der Problematik Lizum - Bürger - Wegefreiheit - Schießzeiten - Vertragseinhaltung - "Zusammenschießen intakter Natur mit schweren Waffen" etc.,
    mehr: http://tirol.orf.at/news/stories/2597957/