Pro Hütten&Wege

Beim Markieren
Beim Markieren

OeAV-T Stellungnahme zum TT Leserbrief von KommRat Hans Dieter Salcher, Innsbruck, über "Hüttenerhaltung ist nicht Sache der Politik"

 

Sehr geehrter Herr Kommerzialrat Hans Dieter Salcher!

Just an dem Tag, an dem Ihr Leserbrief in der TT (13.7.) veröffentlicht wurde, war ich mit meiner Frau und einigen weiteren Freiwilligen den ganzen Tag über (wie seit Jahrzehnten) mit Farbkübeln, Pickel, Werkzeug, Schildern und Orientierungstafeln und -Stangen, unterwegs, um einen beliebten Bergwanderweg zu markieren, neue Tafeln anzubringen, (gestohlene) Tafeln zu ersetzen, Latschen auszuschneiden, alles genau nach dem Tiroler Bergwegekonzept. Alles in der Absicht, den hunderten Bergwanderern, Einheimischen wie Gästen, an diesem Wochenende und in Zukunft ein gesichertes Bergwanderwochenende und Freude am Berg zu ermöglichen; den Steig zur Schutzhütte auch bei schlechten Verhältnissen zu finden, um dort Labung und (romantische) Unterkunft zu finden, im Notfall auch versorgt zu werden.
 
Viele Bergwanderer haben sich während dieser Arbeiten bei uns bedankt, sich erkundigt, wer denn eigentlich diese Bergwege erhält (und dafür haftet), was wir dafür bezahlt bekämen usw. Sicher waren an diesem Wochenende auch in vielen anderen Berggebieten zahlreiche Alpenvereins-Freiwillige für diesen "Dienst" unterwegs. Von dem auch die Tiroler Seilbahnen profitieren, weil sie ihren Gästen ein sehr gepflegtes Bergwandernetz als Attraktion anbieten können, das der Alpenverein, wie die anderen alpinen Vereine, ehrenamtlich, freiwillig betreut und der Allgemeinheit zur Verfügung stellt. Auch wir haben diesen freiwilligen Dienst an diesem schönen Tag nicht als Last und "Arbeit" empfunden, sondern trotz einiger Beschwernisse und viel Schweiß als sehr "befriedigend".

Apropos Allgemeinwohl
Stadt Innsbruck, Land Tirol und andere öffentliche Einrichtungen haben seit Jahrzehnten offenbar kein Problem damit, mit Geldern der Bürger Stadien und einen Fußballklub mit Millionen zu subventionieren, natürlich schön verbrämt unter dem Mantel des "Allgemeinwohls"!
Dieses "Allgemeinwohl" erfüllen die alpinen Vereine seit 150 Jahren, mit ihren 600.000 aktiven Mitgliedern, allemal geradezu "locker"! Gar nicht zu reden vom Werbewert der alpinen Infrastruktur Hütten und Wege für den heimischen Tourismus, rangieren doch "Wandern und Bergwandern" an der Spitze der beliebtesten Urlaubsaktivitäten unserer Gäste.

Der Unterschied
Ein bedeutender Unterschied besteht allerdings, ob man eine Privathütte (Vereinshütte) im Arztal betreibt oder eine öffentliche Schutzhütte als Gastgewerbebetrieb, für die, wie Sie als Wirtschaftstreibender selbst wissen, viele viele Vorschriften und Auflagen zum Schutz der Gäste, zur Sicherheit, Umweltschonung, Hygiene etc. bestehen. Die "Hüttenromantik" wollen auch wir auf unseren Alpenvereinshütten weiter hoch erhalten - trotz oftmals entgegenstehender bürokratischer Auflagen -, doch allein mit Nostalgie könne auch wir, wie die Wirtschaft, die Zukunft nicht bewältigen.

Unsere AV-Schutzhütten dürfen als Gastgewerbebetriebe keine "Aborte mit Entsorgung in die freie Natur" betreiben, dürfen kein Schneeschmelzwasser verwenden; wir können keine Holzbalken zu den Hütten transportieren, um dort ein Stiegenhaus zu bauen, weil uns die Bezirkshauptmannschaft Brandschutzabschnitte mit Betonstiegen vorschreibt! Wir dürfen nicht mehr am offenen Küchenherd Schmarren kochen, sondern müssen die Hüttenküchen in Nirosta ausführen, inklusive berührungsfreie Armaturen! Wir dürfen keine nostalgischen Schlaflager anbieten, wenn nicht durch Feuerleitern und Brandabschnitte die Sicherheit gewährleistet ist (mit Recht). 

Eine WC-Spülung auf Schutzhütten kostet bis zu 5 Euro! Bauen ist mindestens zweieinhalb mal so teuer wie im Tal. Eine kWh Strom kostet bis zu 4 Euro, wir wollen doch auch keine Dieselaggregate im Gebirge!

Um Lebensmittel anliefern zu können ,muss der "Lieferanteneingang" betoniert sein; darf Müll nicht einfach zwischengelagert werden (weil ja auf den Hütten keine Müllabfuhr erfolgt) sondern müsste lt. BH "gekühlt!" werden. Das ist die bürokratische Realität, bei der es schwer fällt, Hüttenatmosphäre, Hüttenromantik und Wohlbefinden aufrecht zu erhalten. Trotzdem gelingt es unseren super Hüttenwirtinnen und Wirten, viele viele Gäste höchst zufrieden zu stellen, ihnen bleibende positive Erinnerungen zu ermöglichen. 

 

"Berge als höchstes Gut"


Sie brauchen uns nicht darauf hinzuweisen, dass die Berge als unser höchstes Gut von uns zu pflegen sind. Der Alpenverein pflegt seit 151 Jahren diese Bergwelt, setzt sich für sanften Tourismus ein, betreibt "Besucherlenkung" in ökologisch sensiblen Gegenden ( auch durch gepflegte sichere Bergwege!), betreibt seit vielen Jahrzehnten schon keine Erschließungen mehr im Gebirge, kurz pflegt seit 151 Jahren das Bergwegenetz durch freiwillige und ehrenamtliche Tätigkeit. Jahr für Jahr aufs neue.


PS

 - Im Übrigen sind auch die Naturfreunde mit von der Partie bei dieser Hütten/Wege-Petition der alpinen Vereine Österreichs und wären ebenso Nutznießer einer besseren finanziellen Unterstützung wie alle anderen auch, zumal das in der Vergangenheit weder LHStV Gschwentner noch LR Pupp für Tiroler Hütten (auch Birgitzköpfl) zustande gebracht haben.

Gerald Aichner

Kommentar schreiben

Kommentare: 0