1. Winterüberschreitung der Alpen mit Schneeschuhen
München - Venedig extrem


Franz Demel von Lawine am Piz Boe  verschüttet - tot


Beim Versuch der ersten Alpenquerung mit Schneeschuhen im Winter ist der Bergsteiger und Bergfotograf Franz Demel (38), aus Ruhpolding, ums Leben gekommen.

Die italienische Nachrichten-Agentur ANSA berichtet am 23.1.2004
Die z
wei deutschen Tourengeher sind am Donnerstag, 22. Jänner, am Piz Boe im Fassatal von einer Lawine erfasst worden. Trotz einer sofort eingeleiteten Rettungsaktion konnten die Helfer eines der Opfer nur mehr tot bergen. Sein Begleiter kam unverletzt davon, er hat sich selbst aus den Schneemassen befreien können. 
Sein Begleiter, der   32-jaehrige Gerhard Rudolf Runbuchner aus Neumarkt in   Deutschland überlebte den Lawinenabgang. Die beiden waren mit den Schneeschuhen auf einer Spur unterwegs, die von Tourengehern gezogen worden war, als sich das Schneebrett löste. Wie der Leiter der Bergrettung des Oberen Fassatals, Gino Comelli, erläutert, war wegen der starken   Schneeverwehungen der letzten Tage vonTouren im freien Gelände   abzuraten. (ANSA).
 

Bild: Franz Demel in der AV-Sektion Hall, 13. Dez. 2004 Foto: Ott

Die Deutsche Presseagentur schreibt am 26.1.2004
Die beiden Bergsteiger hatten bereits seit Anfang Jänner wegen der widrigen Wetterlage am Piz Boe im Sella-Gebiet in den Dolomiten ausgeharrt und die Etappe immer wieder verschoben. Erst vergangene Woche besserte sich die Lage, auch die Rücksprache mit einem einheimischen Bergführer ergab gute Startbedingungen: "Die Situation war wirklich so, dass wir gesagt, haben: Jetzt können wir es anpacken." Am Donnerstagmorgen starteten die beiden von der Bamberger Hütte in Richtung Pordoi-Hütte. Die Temperaturen lagen bei minus 15 Grad - eigentlich sichere Bedingungen. "Wir haben uns relativ sicher gefühlt." 

Dennoch lösten die beiden ein Schneebrett aus, dass sie zu Tal riss. Möglicherweise sei das höhere Gewicht der Schneeschuhgeher auf Grund der 25 Kilogramm schweren Rucksäcke der Grund gewesen. Außerdem ergebe sich beim Aufstieg eine höhere Belastung der Schneedecke als bei der Abfahrt mit Skiern. Der 33-jährige Begleiter konnte sich binnen einer halben Stunde selbst aus dem Schnee befreien, und nahm per Lawinensuchgerät sofort die Suche auf. "Franz lag zehn Meter neben mir, ich habe ihn sofort gefunden", sagte er. Er habe jedoch etwa eineinhalb Meter unter dem Schnee gelegen und sei offenbar erstickt. 

Demel war am 2. Dezember im Karwendel zu der Tour gestartet und wollte spätestens im Februar in Venedig ankommen - im Sommer eine beliebte Fernwanderroute, die nach Angaben des Begleiters noch niemand im Winter zurückgelegt hat. Bis Venedig hätte Demel mehr als 500 Kilometer und 25.000 Höhenmeter bewältigen müssen. Der gelernte Innenarchitekt war insbesondere durch seinen Dia-Vortrag "Zu Fuß durch die Alpen" bekannt geworden. Er hinterlässt eine Frau und zwei kleine Kinder im Alter von drei und sechs Jahren, die Familie lebt in Ruhpolding.
 

Franz Demel im Dezember in Hall
Der bayrische Spitzen-Alpinist Franz Demel ist am 2. Dezember 2003 zur ersten Winterüberschreitung der Alpen gestartet. Die Strecke vom Marienplatz in München bis zum Markusplatz in Venedig will Franz Demel in den kommenden drei Monaten mit Schneeschuhen zurücklegen.
Am  13. Dez. hat er beim AV Hall über seine persönliche "Expedition" berichtet. 

Der Weg führte zunächst ins Karwendel und dann weiter ins Inntal nach Hall, von hier über die Glungezer- und Lizumerhütte duch die Tuxeralpen und über die Zillertaler Alpen nach Südtirol.

Wegen der im heurigen Winter schlechten und schwierigen Wetter- und Lawinenverhältnisse hat Demel vorerst von der Überschreitung des Alpenhauptkammes abgesehen und ist zunächst von Lüsen in Südtirol durch die Sella marschiert. Mitte Jänner will er bei günstigen Verhältnisse vorausgesetzt - von Hall über Glungezer - Lizum zum Pfitscherjoch und ins Pustertal gehen.

Franz Demel: Die Idee
Bereits während meiner Dolomiten-Winterdurchquerung 2002/03 kam mir der erste Gedanke, dass bei geeigneter Witterung eine zusammenhängende Winter-Überschreitung der Alpen von Nord nach Süd machbar sein müsste. Während man heute das Abenteuer in aller Regel abseits unserer Zivilisation sucht, bleibt unser alpiner Raum dabei weitgehend unberücksichtigt. Schade eigentlich, denn Regionen wie zum Beispiel die Dolomiten gehören mit zum Großartigsten, was unsere Erde zu bieten hat. So entschloss ich mich im Winter 2002/03 zusammen mit meinem langjährigen Kletterpartner Gerald (sowie vier Freunden in wechselnder Besetzung) den Dolomiten-Höhenweg 1 vom Pragser Wildsee bis nach Belluno als reine Wintertour zu begehen.

Bei der Wahl unserer Mittel hatten wir uns aus klettertechnischen Überlegungen heraus für eine Begehung mit Schneeschuhen entschieden. Um ein größtmögliches Maß an Flexibilität sowie Unabhängigkeit zu gewährleisten war die Mitnahme eines Zeltes unerlässlich. Nach 18 anstrengenden aber schönen Tagen in Eis und Schnee und einem sehr dramatischen Abstieg nach Belluno war die Geschichte zunächst für uns erledigt. Der Gedanke an eine zusammenhängende Alpenüberquerung im Winter kam erst wieder auf, als ich am Manuskript für die Veröffentlichung der Dolomiten-Winterdurchquerung schrieb.

Original-Route
Grundsätzlich orientiert sich der Routenverlauf der geplanten Winter-Transalp am klassischen Fernwanderweg München - Venedig nach der Wegbeschreibung von Ludwig Grassler. Dieser Weg wird in den Sommermonaten sehr häufig begangen und dürfte mittlerweile die beliebteste Alpenüberquerungen überhaupt sein. Die Original-Route führt von München auf geradem Weg nach Süden über Bad Tölz in die Jachenau und weiter übers Karwendel-Gebirge ins Inntal sowie über die Glungezerhütte und Lizumerhütte durch die Tuxer Alpen und Zillertaler Alpen bis nach Brixen. mehr

Auf dem Dolomiten-Höhenweg Nr. 2 gelangt man bis zur Marmolada und verlässt diesen schließlich Richtung Osten zur Civetta, um im weiteren Verlauf über die Schiara nach Belluno abzusteigen. Bei der München-Venedig Route nach Grassler handelt es sich in erster Linie um eine gediegene Wanderung durch die landschaftlich schönsten Gebiete der Ostalpen. Nicht die alpinistische Herausforderung sondern das Erleben steht bei Grassler im Mittelpunkt der Alpenüberschreitung. Die Besteigung des einen oder anderen Gipfels bildet dabei eher die Ausnahme. Klassischer Weise wird dieser Weg in den Sommermonaten sehr häufig begangen; von einer zusammenhängenden Winterbegehung dieser Route, finden sich in der alpinen Literatur bislang jedoch keinerlei Hinweise.

Bild: Franz Demel im Karwendel

Die geplante Route
Während die Grassler-Route eine reine Wanderung darstellt, mit dem erklärten Ziel in 28 Tagen, also in sogar relativ kurzer Zeit, Venedig zu erreichen, hat die geplante Winter-Transalp einen anderen Schwerpunkt. Beabsichtigt ist nicht die Umgehung von Berg-Massiven sondern nach Möglichkeit deren Überschreitung. Dass die Machbarkeit einzelner Routen, Bergbesteigungen und Überschreitungen im Winter natürlich entscheidend von den jeweils herrschenden Bedingungen abhängt, steht dabei außer Frage.

Anhaltendes Schlechtwetter mit der damit verbundenen erhöhten Lawinengefahr führt im Winter in aller Regel zu einem vorläufigen Abbruch und Stopp der Unternehmung. Eine zusammenhängende Begehung der gesamten Route in einem Stück lässt sich voraussichtlich kaum bewerkstelligen zumindest nicht im voraus planen. Die Auswahl und Anpassung der Anstiege und Wege muss also von Situation zu Situation nach den aktuellen Bedingungen jeweils neu erfolgen.
Grundlage für die Routenwahl wird jedoch nicht die möglichst kurze Durchschreitung der Alpen mit geringem Aufwand sein, sondern eine den Verhältnissen angepasste Begehung des Traumweges München Venedig auf interessanten, zum Teil auch extremen Wegen. Gipfel, die sich im Sommer bequem auf Normalwegen oder über leichte Kletterführen erreichen lassen, werden im Winter zur anspruchsvollen Herausforderung.

Das Begehen von Klettersteigen und einfachen Kletterführen gehört dabei genauso zum Programm, wie das Biwakieren im Zelt oder das Nächtigen in einer Schneehöhle. Im ersten Teil bis Brixen wird die Grassler Route den groben Wegverlauf bestimmen. Erst weiter südlich unterhalb von Brixen trennen sich die Wege und die Winterroute folgt schließlich dem Dolomiten-Höhenweg Nr.2. Die Überschreitung von Marmolada sowie die Durchschreitung der gesamten Pala-Gruppe gehören mit Sicherheit zu den absoluten Highlights dieser Wintertour. Etwas südlich von Feltre, dem Endpunkt des Alta Via 2, treffen die beiden Wege schließlich wieder aufeinander.

Der Begehungsstil
In ihrer grundsätzlichen Planung ist die Tour als ein zusammenhängender Weg am Stück angedacht. Abstiege ins Tal sind, falls nicht vom Wegverlauf vorgegeben, entweder die letzte Notlösung oder dienen ausschließlich der Versorgung. Durch die Mitnahme von Zelt, Kocher sowie der gesamten Biwakausrüstung wird wie bereits bei der Dolomiten-Winterdurchquerung 2002/03 ein völlig autarker Begehungsstil angestrebt. Ein Gehen von Hütte zu Hütte ist im Winter ohnehin nicht möglich. Das vorherige Anlegen von Depots oder Stützpunkten gestaltet sich überdies schwierig, da sich der genaue Wegverlauf mit Hinblick auf die Witterung letztlich sehr stark ändern kann.

Die Begleiter
Neben meinem langjährigen Kletterpartner und Berggefährten Gerald Rundbuchner, werden mich vor allem Eduard Birnbacher, Teilnehmer an mehreren Expeditionen z.B in die Antarktis, sowie vor allem in den südlichen Abschnitten der Südtiroler Extremkletterer und Bergführer Christoph Hainz begleiten. In Teilstücken beabsichtigen der Kletterer und Bergfotograf Peter Rohrmoser aus Großarl sowie Konrad Renzler, Kletterer und alpinistisches Urgestein aus dem Antholzer Tal mitzugehen. Im Regelfall werden wir in einer wechselnden Besetzung von drei (bis max. vier) Mann unterwegs sein. Die Reisedauer Je nach Witterungsverhältnissen sowie den jeweiligen Schneehöhen werden zwischen 5 ½ und 7 ½ Wochen Gesamtdauer, Ruhetage bereits eingerechnet, veranschlagt. Start der Unternehmung war der 2. Dezember 2003, Marienplatz in München. Als Kernmonate für die Durchquerung sind zunächst Dezember 03 sowie Januar 04 angedacht.

Die Präsentation
Die fotografische Dokumentation der gesamten Tour erfolgt mit Leica-Kleinbildkameras sowie einer Linhof 6x12 Panorama-Großformat Camera. Während die Leica die ideale, und absolut zuverlässige Begleiterin für alle extremen Belange ist, sei es nun, um auf Klettersteigen oder in schwierigen Situationen agil zu bleiben, bietet das Panorama-Format mit seinen 6x12 cm effektive Bildgröße eine überragende fotografische Spitzenqualität für Buch- und Bilderdruck sowie Werbezwecke. Auf der Basis des Kleinbild-Formats wird es im Anschluss eine Dia-Multivisionsschau ganz im Stile von "Zu Fuß über die Alpen" geben. Dieser Vortrag läuft seit nunmehr sieben Jahren ununterbrochen und gehört mittlerweile zu den absoluten Klassikern im alpinen Vortragswesen. Im Rahmen des Vortrages und seiner Vermarktung ergeben sich wie bereits bei "Zu Fuß über die Alpen" diverse Auftritte in Funk und Fernsehen.

Bergzeitschriften wie zum Beispiel ALPIN sowie mehrere Fotofachzeitschriften haben bereits großes Interesse an einer Veröffentlichung dieser Geschichte angekündigt. Da es bislang keine mir bekannten Veröffentlichungen zu einer Alpen-Winterüberschreitung gibt, kämen damit den Veröffentlichungen als auch dem Vortrag ein absoluter Sonderstatus zu. 

Nachruf auf Franz Demel
Franz Demel wurde 38 Jahre alt. In München geboren, lebte er mit seiner Familie zuletzt in Ruhpolding; er hinterlässt Frau und zwei Kinder. Seine Bilder bewegten und sind für uns Teil eines Nachlasses, der auch zum Ausdruck bringt, dass wir ein Recht auf Natur haben. Wir verneigen uns vor dem Toten und sind in Gedanken bei seiner Familie - möge die Trauer eines Tages von ihr ablassen.
www.franzdemel.de

www.alpin.de

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